(26.1.2001) Zur heute stattfindenden ersten Sitzung der Expertenkommission Historische Mitte Berlins erklärt der Präsident der Bundesarchitektenkammer Peter Conradi:
ERSTENS
Der Berliner Schlossplatz ist ein bedeutender Ort der deutschen Geschichte: Das Haus Brandenburg, das Königreich Preußen, das Kaiserreich, die Weimarer Republik, das NS-Reich, die DDR und nun die Bundesrepublik Deutschland sind mit diesem Platz verbunden. Hier im Schlosshof musste am 19. März 1848 Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, vor den aufgebahrten Gefallenen der 48er-Revolution den Hut ziehen. Hier vom Balkon des Portals IV des Lustgartenflügels rief Karl Liebknecht am 9. November 1918 die "Freie sozialistische Republik Deutschland aus" - kurz nachdem Philipp Scheidemann am gleichen Tag vom Reichstag aus die Republik ausgerufen hatte. Dies ist kein beliebiger Platz.
ZWEITENS
Der Platz ist zu etwa zwei Dritteln im Eigentum des Bundes, zu etwa einem Drittel im Eigentum Berlins. Über die zukünftige Nutzung dieses Ortes und über seine bauliche Gestalt sollen nicht Investoren und ihre Renditeerwartungen entscheiden, sondern der Deutsche Bundestag in Abstimmung mit dem Berliner Abgeordnetenhaus.
DRITTENS
Die Entscheidungen über die Nutzungen und die bauliche Gestalt dieses Ortes haben politische, historische und kulturelle Dimensionen, die über die städtebaulichen und architektonischen Dimensionen hinausgehen. An der zukünftigen Nutzung und Gestalt dieses Ortes wird das kulturelle, gesellschaftliche und historische Selbstverständnis unseres Landes deutlich. Deshalb darf sich die Diskussion nicht auf Berlin und die Berliner beschränken, vielmehr soll ein breiter, bundesweiter öffentlicher Diskurs über die zukünftige Bebauung und Nutzung der historischen Mitte Berlins die Arbeit der Expertenkommission begleiten.
VIERTENS
Die Expertenkommission für die historische Mitte Berlins soll den öffentlichen Diskurs zur Vorbereitung der Entscheidungen der Legislativen und der Exekutiven in Gang setzen, so wie das beispielsweise in den 90er Jahren in Kolloquien über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin geschah.
Dabei sind zu erörtern:
Die Expertenkommission soll zu diesen Fragen in öffentlichen Anhörungen und Kolloquien Fakten und Meinungen sammeln. Dabei sollen Fachleute gefragt werden: Historiker, Philosophen, Bau- und Kunstgeschichtler, Urbanisten, Denkmalpfleger, Stadtplaner und Architekten; daneben sollen die Befürworter und Gegner der in der Öffentlichkeit diskutierten Lösungsvorschläge zu Wort kommen.
FÜNFTENS
Zuerst ist über die zukünftige Nutzung der historischen Mitte Berlins, vor allem des Schlossplatzes zu entscheiden. Dabei sind die angrenzenden Flächen und Gebäude einzubeziehen. Eine rein oder überwiegend kommerzielle Nutzung entspricht nicht der Bedeutung des Orts. Vielfältige öffentliche Nutzungen, vor allem kultureller Art, sind denkbar: Museum, Bibliothek, Volksbildung, Unterhaltung, Wissenschaft u.a.m. Diese Einrichtungen sollen zu einer Belebung und Bereicherung des Gebiets beitragen.
SECHSTENS
Die städtebauliche und architektonische Gestalt kann erst entwickelt werden, wenn die Nutzungen des Orts feststehen. Das geeignete Verfahren für die Vorbereitung der Planung und des Bauens ist ein offener, zwei-phasiger Architekten-Wettbewerb, der alle denkbaren Varianten zuläßt:
Das Preisgericht des Architektenwettbewerbs und die Expertenkommission sollen dem Deutschen Bundestag und dem Berliner Abgeordnetenhaus Empfehlungen für das weitere Vorgehen machen. Die abschließende Entscheidung soll das Parlament in Abstimmung mit dem Berliner Abgeordnentenhaus treffen.
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