(4.5.2008)
Ein
ehrgeiziges Klimaschutzprogramm hat die Bundesregierung verabschiedet. Demnach
soll der Energieverbrauch in zwei Schritten um jeweils 30% gegenüber der
vorangehenden Stufe reduziert werden. Zur Realisierung des Ziels sind deshalb erhebliche Verbesserungen der energetischen Standard notwendig. Die dafür
notwendigen Investitionen aber seien so teuer, dass sie sich in
überschaubaren Zeiträumen auch dann nicht rechnen, wenn deutlich weniger Energie
verbraucht wird - das ergab jetzt eine Studie im Auftrag der Deutschen
Gesellschaft für Mauerwerksbau.
Bereits die Realisierung der ersten Stufe ab 2009 (Absenkung des Energieverbrauchs um 30% gegenüber 2007; siehe auch Beitrag "EnEV 2009 geht in die Zielgerade" vom 29.4.2008) würde den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern um 25 bis 47 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche verteuern. Bei einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Fläche von 46 m² im Wohneigentum (LBS Research) seien das für einen Drei-Personen-Haushalt Zusatzkosten von über 4.960 Euro. Werde die Immobilie selbst genutzt und nicht vermietet, kämen die Bewohner über Einsparungen an Energiekosten frühestens nach 15 Jahren in die Gewinnzone. Anders ist es bei Mietwohnungen. Hier könnten die Mehraufwendungen für die verordnete Energieeffizienzverbesserung nicht in vollem Umfang an die Mieter weitergegeben werden. Damit würden Investitionen in neue Mietwohnungen, die durch verschlechterte Rahmenbedingungen im Miet- und Steuerrecht schon jetzt keine sinnvolle Kapitalanlage mehr sind, durch die geplante EnEV 2009 uninteressant.
Gänzlich unwirtschaftlich werde es bei der Umsetzung der zweiten geplanten Stufe der Novellierung der EnEV ab 2012. Die notwendigen Investitionen verteuern den Quadratmeter Wohnfläche drastisch. Die Kosten sollen dann zwischen 43 und 130 Euro liegen. Für die Wohneigentumsbildung eines Drei-Personen-Haushaltes entstehen dann Zusatzkosten von durchschnittlich 12.000 Euro und mehr. Bei selbst genutztem Wohnraum sollen sich diese Kosten erst nach etwa 20 und mehr Jahren durch Einsparung an Energiekosten ausgleichen, der Mietwohnungsbau würde völlig unwirtschaftlich.
"Vor diesem Hintergrund," so Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau (DGfM), "entscheidet sich niemand für Investitionen in den Wohnungsbau." Rast warnt: "Schon jetzt kommt es bei Wohnraumversorgung speziell im unteren und mittleren Segment zu Engpässen." Betroffen sind vor allem Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Seniorenhaushalte. "Gute Wohnungen," fürchtet Rast, "können sich bald nur noch die Reichen leisten."
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